Eine kurze Story über ein gutes Essen.

«Art is the most intense mode of individualism that the world has known.» – Oscar Wilde

Als was würden Sie O. Wilde bezeichnen? Ein bedeutender Schriftsteller? Ein Perfektionist? Ein Individualist? Jemand, der sein Leben dem Non-Konformismus gewidmet hatte? Was hat das mit dem folgenden Artikel zu tun?

Wussten Sie, dass gemäss eines Online Directories (neudeutsch für: Telefonbuch im Internet) in der Stadt Zürich ca. 1’500 Restaurants existieren? Kein Wunder also, dass die Suche nach einem Lokal, das zu einem passt, wie die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen verlaufen kann. Heute möchte ich Ihnen die Giesserei in Zürich Oerlikon vorstellen. Die Giesserei schätze nicht nur ich für die kreative Küche unter der Führung von Claude Trefzer, sondern auch für ihr einmaliges Ambiente. Irgendwie roh, postindustriell, anders, modern, klassisch, innovativ: man könnte als Gast glauben, der letzte Metallgiesser sei erst vor wenigen Stunden in den Feierabend gegangen. Besonders dann, wenn das Feuer im Cheminée den Raum mit einer angenehmen Wärme füllt.

Claude Trefzer und seine Küchenmannschaft stellen dieses Jahr ein für die Giesserei wohl typisches Gericht zusammen und nennen es sinngemäss «Feuertopf». Im Januar, passend zur kalten Jahreszeit, kommt aus dem Feuertopf ein raffinierter Tafelspitz vom Zürioberland Rind. Damit bleiben sie dem Credo der Giesserei treu: sich jeden Tag neu erfinden und marktfrische Köstlichkeiten den Gästen servieren, und nennen es dann «Genuss aus einem Guss». Ich sage: Egal wie man es nennt, es schmeckt!

Heute konnte ich ein auf den Punkt gebratenes Tuna-Steak geniessen, serviert mit kleinen Bratkartoffeln mit Kapern und getrockneten Tomaten. Die Röstaromen kamen mit der leichten Säure der Kapern und der Süsse der Tomaten vorzüglich zur Geltung.

Und ja, manche mögen sagen, ich kann ja nichts anderes schreiben über die Giesserei, weil ich die Fidel Gastro AG betreffend Marketing und Kommunikation berate (so what, so schnell kann das gehen, wenn man den Mut besitzt, als Gast bzw. Kunde eines Unternehmens, dieses zu kritisieren und im selben Atemzug aber auch Lösungsvorschläge unterbreitet: nicht nur nörgeln, sondern auch helfen!). Aber so bin ich nun mal, wenn’s stimmt, dann bin ich der Erste, der lobt, genauso aber bin ich der Erste der kritisiert und Lösungen vorschlägt. Heute konnte ich die Giesserei nur loben.

Die Giesserei ist m.E. der ideale Ort für Individualisten und Querdenker, die gerne aus dem Alltag ausbrechen wollen. Wer es aalglatt und konservativ sucht, ist wohl im falschen Restaurant. Wer Ecken und Kanten besitzt, weiss sich aber in der Giesserei gut aufgehoben und lässt sich gerne unter Gleichgesinnten kulinarisch verwöhnen! Wäre, wenn er noch leben würde, auch Oscar Wilde Gast der Giesserei? Wer weiss, vielleicht. Wünschen würde ich es mir auf alle Fälle, wenn mehr Individualisten dieses Restaurant besuchen würden, den Raum mit innovativen Gedanken und Geschichten füllen könnten, denn es gibt bereits zu viele Restaurants in Zürich, aber wenige, die Stolz auf ihre Ecken und Kanten sind und diese auch zeigen.

PS: Mein absoluter Favorit ist der Sonntagsbrunch! Aber nicht weitersagen, ich will noch Platz finden…

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